Gibt es auch Glaubenssätze in der Theosophischen Gesellschaft?
Glaubenssätze in der TG wären eine Undenkbarkeit, da sie der Wesensart der Theosophie diametral zuwiderlaufen würden. Die Theosophie ist eine Erkenntnislehre, die Religion, Wissenschaft und Philosophie als eine Einheit zusammenschließt. Erkenntnisse aber wollen selbst erworben werden, wollen der universalen Natur
Schritt für Schritt abgerungen werden, bis sie uns völlig zu eigen geworden sind. Einerseits helfen uns dabei unsere täglichen Erfahrungen und Beobachtungen, andererseits das Studium unserer theosophischen Literatur und unser Bemühen, "das Leben zu leben", d.h. unser Leben theosophisch auszurichten, auf dass die göttliche Weisheit an uns und durch uns offenbar werde.
Ein Glaube, der auf ein "Für-wahr-halten" beruht, stumpft unsere höchste Kraft, die der Intuition, ab; ein Glaube jedoch, der sich auf selbst erkämpfte Erkenntnisse gründet, fördert unsere Intuition, belebt sie; denn er lockt uns, immer tiefer in die universale Natur vorzustoßen, immer intensiver ihrem Pulsschlag in uns selbst zu lauschen und immer umfassendere Erkenntnisse zu gewinnnen.
Man täte also der Theosophie Gewalt an, wenn die TG für ihre Mitglieder irgendwelche Glaubenssätze oder Dogmen bereit hielte. Es muss jedem Schüler der Theosophie vollkommen freistehen, deren Lehren anzunehmen oder sie vorläufig als unannehmbar zurückzustellen; wissen wir älteren Schüler doch aus Erfahrung, dass für jeden ernsthaft Strebenden der Tag kommt, da ihm die für ihn heute noch unbegreiflichen Lehren Selbstverständlichkeiten sein werden.
Eine einzige Erkenntnis allerdings wird bei der Aufnahme in die TG vorausgesetzt, und das ist die der Universalen Bruderschaft, weil sie allein fürdie zukünftige theosophische Haltung grundlegend ist. Sie bildet das notwendige, feste Fundament für den Aufbau weiterer theosophischer Erkenntnisse, bildet den Ausgangspunkt für die bewusste Wanderung auf dem Pfade nach innen, die uns mit der Zeit dahin führen soll, der großen Masse in der Evolution vorauszueilen und sie mit hinaufzuziehen bei unserm Aufstieg zu den Göttern.