Was ist unter "universaler Natur" zu verstehen?
Das Attribut "universal", das in der theosophischen Literatur dem Worte Natur häufig beigegeben wird, soll andeuten, dass die Theosophie den Begriff Natur unendlich viel weiter fasst, als das gemeinhin üblich ist. Denn trotz der aus der Atomforschung gewonnenen Erkenntnisse lebt das Abendland im allgemeinen immer noch in dem Wahne, die uns umgebende sichtbare Welt sei alles, was existiere, und die vier sichtbaren Naturreiche -das Mineralreich, das Pflanzenreich, das Tierreich und das Menschenreich - machten den gesamten Inhalt des Universums aus.
Im Gegensatz zu diesem eingeschränkten Sinne gewinnt der Begriff Natur durch die Theosophie unbegrenzte Weite und Tiefe. Für sie ist unser Universum, d.h. das Sonnensystem, eine erhabene spirituelle Wesenheit, deren Herz und Sinn ihren Sitz im Innern der Sonne haben. Dieser ungeheure Organismus stellt im großen das dar, was der Mensch im kleinen widerspiegelt: ein siebenfältig aufgebautes Wesen. Darum bezeichneten die mittelalterlichen Alchimisten und Mystiker den ersteren als Makrokosmos, den letzteren als Mikrokosmos.
Von den sieben Daseinsplänen, die das Universum umfasst, ist unsere sichtbare Welt der am tiefsten stehende, weil materiellste. Alle sieben Ebenen des Seins sind zwar substantiell, doch ist die Materie, welche die einzelnen aufbaut, ausserordentlich unterschiedlich. Ursache für diese Tatsache sind die unterschiedlichen atomaren Schwingungsraten auf den einzelnen Plänen. Durch die Atomforschung ist uns bekannt geworden, dass Materie aus Energie und Substanz oder aus Geist und Stoff besteht, die unlöslich miteinander verkettet sind, was übrigens die Theosophie auch lehrt. Die zu unserer sichtbaren Ebene gehörende Materie besitzt die größte Dichte; darum wird sie auch als physische Ebene (physis = Körper) bezeichnet, während die der übrigen sechs unsichtbaren Pläne an Dichte abnimmt, also immer feinstofflicher, immer ätherhafter, immer spiritueller oder geistiger wird und auf der höchsten Stufe, der göttlichen, in fast reinen Geist übergeht. Wir nehmen die sechs höheren Daseinspläne nicht wahr, weil unsere Sinne nur auf unsere physische Ebene eingestellt sind.
Diese sechs Pläne bilden die ursächlichen oder kausalen Welten, während unser sichtbarer Plan dagegen als Wirkungswelt oder Welt der Erscheinungen angesprochen werden kann.
Zweck und Ziel aller Einweihungen in die Mysterien war und ist es, im menschlichen Bewusstsein die Erkenntnis seines untrennbaren Einsseins mit der universalen Natur und seiner essentiellen Verwandtschaft mit den Wesenheiten der höheren Pläne wachzurufen.