Besitzt die Theosophie einen Grundgedanken oder ein Fundament?
Nirgend und nie ist ein Fundament gefunden worden, das so fest gegründet, so über alle Worte erhaben wäre wie das der Theosophie: Denn als die Weisheit vom All ist sie sicher verankert in der universalen Natur und hat daher auch das gleiche Fundament wie diese. Unerschütterlich und unvergänglich hat es die Äonen der Vergangenheit überdauert, wie es auch die zukünftigen überdauern wird. Es ist das leuchtende Meer des Göttlichen und ist als solches unendlich in seiner Reichweite und ewig in seiner Dauer.
Eine Betrachtung über das Göttliche anstellen zu wollen, wäre Vermessenheit, übersteigt es doch unser menschliches Fassungsvermögen himmelhoch. Die Völker der vorgeschichtlichen Zeitalter und des Altertums waren sich dieser Tatsache wohl bewusst, und es geschah aus tiefster Ehrfurcht vor dem Unerklärbaren, dass sie das Göttliche einfach mit ES oder DAS bezeichneten. Sie hatten noch den sicheren Instinkt, dass das Anhängen oder Beifügen von Eigenschaften oder Attributen eine Personifikation bedeuten würde, d.h. ein Herabziehen auf die Ebene des Menschlichen, also eine Profanierung. Das ist auch der Grund dafür, dass in der theosophischen Literatur mehr vom "Göttlichen" als von "Gott" die Rede ist, da gerade dem christlichen Gottesbegriff des Abendlandes die persönliche Note zu sehr anhaftet.
Das Göttliche ist in der Theosophie das EINE, das alles Seiende umflutet und durchströmt; denn es gibt nur ein Leben, nur ein Bewusstsein, nur einen Geist. Und wenn es im Neuen Testament heißt: "In IHM leben und weben und sind wir", so ist es derselbe Gedanke, der hier zum Ausdruck gebracht wird.