Wie und Wo zu finden?
Obwohl die Theosophische Gesellschaft seit 1875 besteht und ihre Mitglieder in aller Welt bemüht sind, die theosophischen Lehren zu verbreiten, ist die Theosophie dennoch bisher für die breite Masse ein Buch mit sieben Siegeln geblieben. Es gehört nämlich zur Wesensart der Theosophie, dass sie sich nicht ohne weiteres all und jedem erschließt, sondern sich nur den "Wenigen" offenbart, die sich ihr mit offenem Herzen und vorurteilsfreiem Sinn nähern. Nur denen, die gewillt sind, umzudenken und sich zu wandeln, gewährt sie einen Blick in ihre unermessliche Schatzkammer des Wissens und der Weisheit, die den Schüler der Theosophie immer aufs neue mit ehrfurchtsvollem Staunen erfüllt. Wer meint, er könne die Theosophie allein durch das Studium theosophischer Schriften fassen, verfehlt den Weg zu ihr; denn sie ist kein Schulwissen, das aus Büchern zu erlernen wäre. Zwar existiert eine reiche und wertvolle Literatur über sie, doch wollen auch die besten und tiefsten theosophischen Schriften nicht mehr sein als Fingerzeige, Führer, Wegweiser, äussere Hilfsmittel beim Suchen nach der Wahrheit. Finden aber können wir sie nur in uns selbst; denn sie ist uns ins Herz geschrieben, und hier muss sie erlebt und nach aussen hin zum Ausdruck gebracht werden, wenn wir von ihr Besitz ergreifen wollen. Kennzeichen eines echten theosophischen Lehrers ist es daher, dass er uns durch ein Leben des Dienens zum Wohle der Menschheit Theosophie vorlebt und dass er unsere Aufmerksamkeit hinlenkt auf jenen stillen Pfad, der zur Erkenntnis führt. Der Appell "Geht nach innen", der sich heute an die moderne Menschheit richtet, ist der gleiche, den einstmals die alten Griechen in die Worte kleideten: "Mensch erkenne dich selbst!" Nun ist aber unser Inneres ein wegeloses Land, und man bedarf wohl der Führung, will man es durchwandern, bedarf der Weisung und Belehrung jener, die es vor uns betreten und erforscht haben. Sie kennen seine Höhen und auch seine Tiefen, wissen um die Fallgruben, die den unachtsamen Fuss zum Straucheln bringen; sie können und wollen uns warnen. Mit ihren Lehren geben sie uns den Ariadnefaden in die Hand, damit wir uns in dem Labyrinth unseres eigenen Wesens nicht verirren: nicht versinken im Morast unserer niederen Natur, nicht hängen bleiben im Gestrüpp psychischer Kräfte, uns nicht auf Abwegen spiritistischer und Yoga-Praktiken verlieren, sondern gesund und unbeschadet, wie wir in jenen Irrgarten hineingegangen, auch wieder aus ihm herausfinden.